Titel
Brunnen Sod und Gerichtslaube Burrecht
Datierung
1997
Technik
Sandstein, Granit, Messing, Beton
Beschreibung

Im Zuge der Umgestaltung des Kobergs in den 1990er Jahren wurde das Hamburger Architektur- und Stadtplanerbüro Meyer Fleckenstein beauftragt, seinen Entwurf zur Gestaltung des Platzes umzusetzen. Der Koberg wurde vom 14. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts unter anderem als Marktplatz genutzt, auf dem die Landbevölkerung sowie fahrende Händler ihre Waren verkauften. Gleichzeitig wurden dort auch die Rechts- und Marktstreitigkeiten verhandelt.

 

Diese Gerichtssitzungen mussten unter freiem Himmel und öffentlich stattfinden. Da man den Witterungen nicht ungeschützt ausgesetzt sein wollte, errichtete man die sogenannten „Gerichtslauben“ („Burrecht“, mündliche Version für das friesische „Burriucht“ = Bauernrecht). Diese waren zwar überdacht, aber das Dach ruhte auf Säulen oder Pfeilern, wodurch der Bau zu den Seiten hin offen war. Das Gericht konnte so für jedermann einsehbar und zugänglich tagen. Auf dem Koberg wurde 1636 auf der Platzmitte eine kleine Gerichtslaube errichtet. Im 18. Jahrhundert als Kaufstelle für Rindfleisch genutzt, wurde sie 1840 abgerissen.

 

Mit seiner Gerichtslaube Burrecht entwarf das Architekturbüro Meyer Fleckenstein eine zeitgenössische Interpretation des Bauwerkes. In Anlehnung an sein historisches Vorbild ist auch diese nach den Seiten hin offen. Auf den Rahmenportalen ist ein Pyramidendach errichtet. Es bietet bewusst keinen Wetterschutz – das „Burrecht“ soll nur zitiert werden.

 

An der südwestlichen Platzecke befand sich ursprünglich ein Brunnen. Im Norddeutschen wurden gegrabene Brunnen auch „Sodbrunnen“ oder nur „Sod“ genannt. Sie sicherten im Mittelalter die Wasserversorgung. Die Architekten schufen eine freie Rekonstruktion dieses Brunnens und orientierten sich bei der Platzwahl an seinem historischen Vorgänger. Als Material wählten sie Sandstein und für die Sockelfläche Granit, während der Brunnenaufsatz aus einer sieben Zentner schweren Messingkrone besteht. Die Planer legten den Brunnen so an, dass 5 Kubikmeter Wasser zirkulieren können. Eine Umwälzpumpe sprudelt die Wassermassen durch eine Düse rund 70 Zentimeter hoch, bevor sie, den Brunnenring überspülend, über einen Rost in den Wasserkreislauf zurückfließen.

 

Sowohl der Brunnen Sod als auch die Gerichtslaube Burrecht erinnern an die mittelalterliche Nutzung des Kobergs und halten ein Stück „Marktleben im Mittelalter“ lebendig.

Biografie

Das Hamburger Architekturbüro Meyer Fleckenstein wurde 1988 von den Diplom-Ingenieuren Barbara Fleckenstein und Johannes D. Meyer Fleckenstein gegründet. Die Architekten und Stadtplaner verwirklichten zahlreiche Projekte in Hamburg und Umgebung, darunter die Erweiterung und den Umbau des Hotel Hafen Hamburg und den Umbau und die Renovierung des an der Alster gelegenen Literaturhauses.

Kategorie
Brunnen
Standort

Bilder

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