(* 1929 Petrikau / Polen, † 2020 Worpswede)
Fast etwas versteckt zwischen zwei modernen Geschäftshäusern befindet sich die Bronzeplastik Drehtür von Waldemar Otto. Sie stammt aus dem Jahr 1983 und war zusammen mit weiteren Arbeiten des Künstlers 1987 in der nahegelegenen Katharinenkirche ausgestellt. Im Zuge der Ausstellung erwarb der damalige Museumsleiter Dr. Gerhard Gerkens diese Plastik für das Lübecker Museum für Kunst- und Kulturgeschichte und ließ sie in der Fußgängerzone aufstellen. Zwei gleiche Objekte von Waldemar Otto befinden sich in Frankfurt und Neckarsulm. Auf einer runden Bodenplatte stehen zwei gleichgroße Männerfiguren, bekleidet mit Hose und Unterhemd. Eine Türzarge rahmt die Beiden ein; die dazwischen liegende weit geöffnete Tür trennt sie voneinander. Ohne dass der eine den anderen wahrnimmt, schieben beide jeweils ihre Seite der Tür an. Hinsichtlich Statur und Körpergröße ähneln sich die beiden Männer. Doch während der eine mit aufgerichtetem Oberkörper voran geht, scheint der zweite mit gesenkten Schultern auf der Stelle zu verharren. Die Mimik und die Körperhaltung des Mannes drücken Unbehagen aus. Gleichnishaft zeigt Waldemar Otto hier den Durchschnittsmenschen, der sich in seinem Leben wie in einer Drehtür bewegt. Er ist eingezwängt, einem immer wiederkehrenden Ablauf des Alltags ausgesetzt, ohne die Aussicht, daraus ausbrechen zu können. Dieses Thema – der Mensch, gefangen in der Tretmühle des Alltags – findet sich in mehreren Arbeiten des Künstlers, der sich mit seinen realistischen Plastiken mit unserer heutigen Lebenswelt auseinandersetzt.
Waldemar Otto, 1929 im polnischen Petrikau geboren, studierte ab 1948 an der Hochschule für Bildende Künste Berlin Bildhauerei bei Alexander Gonda und wurde 1952 dessen Meisterschüler. Ab 1955 arbeitete Otto als freischaffender Bildhauer in Berlin. Nach einer kurzen Tätigkeit als wissenschaftlicher Angesteller an der Architekturfakultät der TU Braunschweig, erhielt er 1973 einen Ruf als Professor an die Hochschule für Gestaltung in Bremen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte. Ab 1976 lebte und arbeitete Otto in dem Künstlerdorf Worpswede. Der Bildhauer gehörte zu den bedeutendsten Vertretern einer figurativen Plastik. Otto erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Arbeitsstipendien. Ausstellungen im In- und Ausland, zuletzt 2001 im Nationalmuseum von Santiago de Chile, machten sein Werk auch international bekannt.
Waldemar Otto. Figur und Raum. Skulpturen 1969-1983, Kat. Ausst. Heilbronn, Städtische Museen Heilbronn, Deutschhof, 11. Mai - 8. Jul. 1984; Berlin, Georg Kolbe-Museum, 12. Jul. - 6. Sept. 1984, Heilbronn 1984.
Skulptur in Lübeck. Waldemar Otto, Kat. Ausst., Lübeck, Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, St. Katharinenkirche, 16. Jun. - 2. Aug. 1987, Lübeck 1987.
Waldemar Otto. Skulpturen in der Katharinen-Kirche zu Lübeck. Dokumentation der Ausstellung des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Lübeck, 16. Jun. - 2. Aug. 1987, Frankfurt a. M. 1987.