Künstler
Egbert Broerken
(* 1950 in Lippetal-Hovestadt, lebt und arbeitet in Welver-Berwicke bei Soest (Haus Nehlen))
Titel
Stadtmodell
Datierung
2004
Technik
Bronze
Beschreibung

Schon während seiner Lehrtätigkeit an der Dortmunder Fachhochschule für Design übernahm Egbert Broerken erste Arbeiten für die Westfälische Blindenschule in Soest und setzte sich damit auseinander, inwieweit blinde Menschen durch Tasten Erkenntnisse über ihre Umgebung gewinnen können. Sein erstes Stadtmodell für Blinde erarbeitete er für die Stadt Münster. Durch die maßstabsgerechte, detaillierte Nachbildung des historischen Stadtkerns und die Beschriftung in Brailleschrift (der international gebräuchlichen Blindenschrift, im 19. Jh. entwickelt von dem frz. Blindenlehrer Louis Braille) und in erhabener Normalschrift bieten seine Stadtmodelle nicht nur sehbehinderten sondern auch sehenden Menschen eine Gelegenheit, die Dimensionen, Größenverhältnisse und baulichen Zusammenhänge der Stadt erfassen zu können. Diese Überschaubarkeit und plastische Erfahrbarkeit machen Broerkens Stadtmodelle außerordentlich beliebt – bei Blinden, Sehenden, Touristen und Alteingesessenen, Erwachsenen und Kindern gleichermaßen. So finden sie sich mittlerweile in einer Vielzahl von Städten in Deutschland und seinen Nachbarländern. 2004 wurde das Lübecker Modell anlässlich des Internationalen Jahres der Behinderten als Schenkung des Rotary-Clubs Lübeck-Holstentor aufgestellt.

 

Etwa ein dreiviertel Jahr lang arbeitet der Künstler an einem Modell. Die Arbeit beginnt stets mit der fotografischen Dokumentation der Stadt. Mit Hilfe von Katasterkarten und selbst ermittelten Messdaten der Traufhöhen erstellt Broerken dann ein maßstabsgerechtes Architekturmodell. Von diesem wird ein Wachsmodell abgeformt und künstlerisch ausgearbeitet, welches dann im Wachsausschmelzverfahren in Bronze gegossen wird – eine alte handwerkliche Gusstechnik, die es erlaubt, auch filigrane Details darzustellen. Schließlich findet das fertige Bronzemodell seinen Platz auf einem passenden Sockel aus Stein, Beton oder Edelstahl. Finanziert werden die Stadtmodelle meist durch Spenden oder Schenkungen.

Biografie

Der im nordrhein-westfälischen Lippetal-Hovestadt geborene Egbert Broerken absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Schriftsetzerlehre, bevor er an der Fachhochschule Münster Design studierte. Seither arbeitet er als freier Bildhauer, der sich bevorzugt mit dem Werkstoff Metall auseinandersetzt. Großplastiken von seiner Hand finden sich im öffentlichen Raum, beispielsweise in Dortmund, Münster und Dülmen. Über zwei Jahrzehnte war Broerken als Lehrer an der Fachhochschule für Design in Dortmund tätig. Vor gut 20 Jahren spezialisierte er sich dann auf die Fertigung von dreidimensionalen Stadtmodellen aus Bronze, die er in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrenden der Westfälischen Blindenschule in Soest entwickelte. Das erste Modell wurde von den Rotary Clubs Münster gestiftet. Inzwischen stehen seine Stadtmodelle in weit über 100 Städten in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. Egbert Broerken lebt und arbeitet in dem Renaissanceschlösschen Haus Nehlen in Welver-Berwicke.

Stifter
Schenkung des Rotary-Club Lübeck-Holstentor an die Stadt Lübeck
Kategorie
Relief
Standort

Bilder

Egbert Broerken, Stadtmodell (Foto: Jörg Schwarze) Egbert Broerken, Stadtmodell (Foto: Jörg Schwarze) Egbert Broerken, Stadtmodell (Foto: Jörg Schwarze) Egbert Broerken, Stadtmodell (Foto: Jörg Schwarze) Egbert Broerken, Stadtmodell (Foto: Jörg Schwarze) Egbert Broerken, Stadtmodell (Foto: Jörg Schwarze) Egbert Broerken, Stadtmodell (Foto: Jörg Schwarze)